Taunleiten - Hinter dem Haus #46, St. Florian, Upper Austria, Austria 2016. No.:238
Taunleiten - Hinter dem Haus #46, St. Florian, Upper Austria, Austria 2016. No.:238


Ich fotografiere, also bin ich Fotograf. Oder etwa doch nicht?

Kurzer Blick zurück. Seit 20 Jahren greife ich zur Kamera, mit immer steigender Intensität. Meine Motive fand und finde ich zu 99,9% unter freiem Himmel. Tiere zu fotografieren war nie man mein Wunsch, bis auf eine einzige Ausnahme vor knapp 17 Jahren. Berufsfotograf war ich in meinem Verständnis eigentlich nie und eine staatlich anerkannte, formelle Ausbildung um mich Fotograf zu nennen hatte ich auch nie gemacht.

Worüber mache ich mir dann überhaupt Gedanken?
Es geht mir um eine persönliche Standort-Bestimmung. Die Einordnung als Naturfotograf und die daraus folgende Schublade in der ich landete, fühlt sich seit einigen Jahren für mich nicht mehr richtig an. Diese Unzufriedenheit hat auch damit zu tun, weil ich eigentlich sehr lange nicht begriffen hatte, weshalb ich eigentlich zur Kamera greife. Warum ich das tue habe ich für mich erst herausgefunden als ich mich entschloss nur mehr ausschliesslich Schwarz-Weiss Fotografien zu machen.

Da die Ergebnisse, die ich dabei erhielt wesentlich formbarer waren, verstand ich erst dadurch warum ich eigentlich die Technik der Fotografie benutze.

Ich greife zur Kamera, ich fotografiere, da ich nicht zeichnen kann. Es hat lange gedauert, aber das ist mir erst so wirklich richtig vor einigen Jahren bewusst geworden. Als sogenannter Naturfotograf war es für mich immer schon eigentlich egal „was“ ich da fotografisch ablichtete. Namen, Bezeichnungen, botanische und biologische Einordnungen sind mir eigentlich immer recht „wurscht“ gewesen. Bin ich ganz ehrlich zu mir selbst, dann war und ist es eigentlich auch nie meine Absicht gewesen, mit meinen Arbeiten, anderen Menschen die Schönheit der Natur näher zu bringen. Das ist meiner Erfahrung nach sowieso eine allzu leicht und viel zu abgenutzte Floskel im Bereich der Naturfotografie.

Zur Kamera griff ich immer, wenn mir etwas auffiel, weil es interessant aussah, weil es eine Saite in mir zum klingen brachte, die mich dazu bewegte den Versuch zu unternehmen mich selbst durch ein wie immer auch geartetes Abbild davon auszudrücken. Es war nie mein Ziel nur das abzubilden, was die Kamera sah. Das hatte ich erst sehr spät begriffen. Für einen sogenannten Naturfotografen sind das ja auch denkbar schlechte Voraussetzungen, wenn man bedenkt was in der nachträglichen Bearbeitung in der Naturfotografie so alles „nicht erlaubt“ ist.

Die Formbarkeit von Schwarzweiss hat für mich dabei alles verändert und es mir möglich gemacht, meine ganz persönlichen Fesseln im Bezug auf die „Naturfotografie“ loszuwerden. Durch diese Formbarkeit ist es mir erst möglich mehr von „mir selbst“ in eine Fotografie zu legen als es mir bei einem „naturfotografischen Abbild“ möglich wäre.

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Capsicum/Paprika Study #1 | Austria. 2018 - No.: 822


Somit sehe ich mich nicht als Fotograf in dem Sinne wie der Begriff „Fotograf“ im allgemeinen verstanden wird. Wäre ich vor mehr als zwanzig Jahren in einem Zeichenkurs gelandet, anstatt damit zu beginnen mit digitalen Kameras herumzuspielen, dann wären meine Bilder heute eher Bleistift- und Kohlezeichnungen. Doch so ist es nicht gekommen, also hatte ich begonnen zu fotografieren.

In den letzten Tagen ist mir persönlich wieder bewusst geworden wie einengend verschiedene „naturfotografische Dogmen“ für mich jahrelang eigentlich waren. Der jährliche interne Wettbewerb des VTNÖ steht ja wieder vor der Tür und mittlerweile fällt es mir schon schwer im Archiv Material zu finden, dass sich mit den Wettbewerbsbestimmungen in Einklang bringen lässt. Da ich nie „gezielt“ für Wettbewerbe entwickle und schon gar nicht beim Ausarbeiten meiner SW-Arbeiten daran denke eine „wettbewerbskonforme Variante“ zu erarbeiten, fällt die Auswahl nun mittlerweile viel schwerer.

Doch wie sagt man heute so schön,das ganze ist ein „Prozess“. Ein Prozess der mich zu meiner eigenen Art und Weise in der Auswahl meiner Motive, dem Festhalten dieser durch die Mittel der Fotografie und eine mir entsprechende Ausarbeitung geführt hat und auch weiter führen wird.

Fotografie ist nicht Realität/Photography is not reality Study#1 | Styria | Gesäuse | 2018. No.: 824
Fotografie ist nicht Realität/Photography is not reality Study#1 | Styria | Gesäuse | 2018. No.: 824

Ich bin eben kein Fotograf, sondern nur jemand der fotografische Mittel zum Aufzeichnen verwendet.

Viel Spass mit dem was Ihr gerne tut...
Euer Herbert

Texthinweis: Dieser und andere Texte stellen meine ganz persönlichen Meinungen und Erfahrungen dar und werden von mir immer absolut subjektiv wiedergegeben. Klar dabei ist, dass weder ich, noch irgendjemand anderer einen Anspruch auf die ultimative Wahrheit hat.

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