Wienfluss - die Renaturierung geht weiter

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Wienfluss-Schild. Unterhalb des Wienerwald-Sees. Aufgenommen 26.05.2005 (BildNr. WF0001)


Der Wienfluss beschäftigt mich einfach. Als ich Ende Dezember 2013 mit dem Zug nach Wien gefahren bin, ist mir kurz bevor der Zug den Bahnhof Hütteldorf erreichte, etwas aufgefallen.

Am Wienfluss wird wieder gebaut. Die Renaturierung dürfte also wieder weiter gehen, war mein Gedanke. Daher beschloss ich bei nächster Gelegenheit dem Wienfluss wieder einen Besuch abzustatten.

Vor einigen Tagen war ich dann dort. Da wird gebaut, auf der Strecke zwischen der Nikolaibrücke und der Mündung des Halterbaches wird der Wienfluss komplett neu gestaltet. Als Ende der 90iger Jahr der Wienfluss oberhalb der Nikolaibrücke komplett neu gestaltet worden ist, habe ich das leider erst zu spät mitbekommen. Hinterher hätte ich das gerne fotografisch dokumentiert.

Diese Chance möchte ich jetzt bei diesem neuen Teilstück am Wienfluss nutzen. Zumal ich doch, wenn auch nur zufällig, erst knapp zwei Monate nach dem Baubeginn entdeckt habe, dass sich am Wienfluss wieder etwas tut.

Da ich den Wienfluss seit meiner Kindheit kenne, war ich 1999 als ich die ersten Fotos vom gerade umgebauten Bereich gemacht hatte zuerst entsetzt. Entsetzt deswegen, da der Wienfluss ,so wie ich Ihn aus meinen Kindertagen kannte nun nicht mehr existierte.

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Der Wienfluss aus Kindertagen war weg. Blick von der Nikolaibrücke Richtung Auhof. Aufgenommen irgendwann 1999 (BildNr. WF0002)




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Das Wienflussbett war wieder grün. Blick vom Flussbett aus, kurz oberhalb der Nikolaibrücke Richtung Aufhof. Aufgenommen am 2.9.2001 (BildNr. WF0003)


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Abgesehen vom Hochwasser 2002, sieht man hier wie die gut die Pflanzen seit der Aufnahme von 1999 (BildNr. WF0002) gewachsen sind. Aufgenommen am 13.08.2002 (BildNr. WF0004)


Doch das Interesse am Wienfluss ist dadurch damals bei mir wieder geweckt worden. Einige Jahre zuvor, irgendwann 1999 waren ein Freund, mein Onkel und ich am Wienfluss unterwegs, diese Tatsache und die dabei entstanden Fotos hatte ich 2001 schon total vergessen. Das war zwei Jahre nach dem Baubeginn an den Hochwasser-Rückhalteanlagen. Im Zuge dieser damaligen Umbauten, hatten sich für den Wienfluss aus meinen Kindertagen nun gravierende Änderungen ergeben.

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So hatte das Bachbett des Wienfluss oberhalb der Nikolaibrücke vor den Umbauten ausgesehen. Übrigens auf dem Bild, das bin ich.
Auf diese Art und Weise haben wir als Kinder Bachforellen aus dem Wienfluss gezogen. Aufgenommen irgendwann 1999 (BildNr. WF0005)



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Blick von der Mauerkrone in Richtung Hütteldorf. Aufgenommen irgendwann 1999 (BildNr. WF0006)



Wie schon gesagt, war ich damals entsetzt darüber, dass mein alter Wienfluss nun für immer verschwunden war. Da ich aber dem Wienfluss ab diesem Zeitpunkt nun immer wieder fotografische Besuche abstattete, begann ich nun über einen langen Zeitraum hinweg die Entwicklung des renaturierten Flusses mitverfolgen.



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Der Wienfluss aus Kindertagen war weg, aber ein neuer Wienfluss war nun da. Die Natur hatte sich zwischen 1999 und 2003 wieder am Wienfluss festgesetzt.
Blick von der Nikolaibrücke Richtung Auhof. Aufgenommen am 22.07.2003. (BildNr. WF0007)


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Wenn man die Betonstützen im Hintergrund nicht sehen würde, könnte man glauben man steht an einem wilden Fluss.
Blick unterhalb der Nikolaibrücke durch in Richtung Hütteldorf. Aufgenommen am 27.07.2003.(BildNr. WF0008)


Da war ich also wieder am Wienfluss an einem 5 Grad kühlen Vormittag im Januar Anfang 2014. Mein Plan war von Hütteldorf (Endstation U4) aus, den Wienfluss am Weg der für Spaziergänger, Erholungsuchende und Radfahrer vor einigen Jahren angelegt worden ist, in Richtung Nikolaibrücke zu spazieren und mir anzusehen was da gebaut wird.

Was wird eigentliche gemacht? Ungefähr auf der Hälfte der Strecke des Bauabschnittes stösst man auf ein großes Plakat, welches über den Bau informiert.

Diese Plakat informiert darüber, dass hier ein naturnahes Stück Ufer am Wienfluss gestaltet wird. Der Bereich soll für Spaziergänger, Erholungsuchende und Radfahrer einladend sein. Auch sollen hier gewässertypische Tiere und Pflanzen die Möglichkeit bekommen eine naturnahe Heimat zu finden. Der Baubeginn war Oktober 2013 und soll lt. Plakat 6 Monate dauern. Dabei wird die alte Wienfluss-Pflasterung entfernt, ein naturnaher Flussabschnitt gestaltet, wasserökologische Maßnahmen durchgeführt, der Halterbach - der ja in den Wienfluss mündet - wird besser angebunden und eine Verbindung für Fussgänger zum Ferdinand-Wolf-Park wird geschaffen.

Das Projekt wird natürlich von der MA45 - Wiener Gewässer geleitet, die Planung für den Wasserbau liegt beim Ingenieurbüro Neunkirchen ZT GmbH, Landschaftsplanung und Gewässerökologie liegen im Verantwortungsbereich von Hr. Dr. Hans Peter Rauch und die Uni Wien für Bodenkultur ist für die ingenieurbiologischen Maßnahmen zuständig.


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Informationstafel zum Bauvorhaben © MA45. Aufgenommen Jänner 2014 (BildNr. WF0009)



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Plan der naturnahen Ausgestaltung. Ausschnitt aus der Informationstafel. © MA45 (BildNr. WF0010)


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Streckenabschnitt auf der Karte. Ausschnitt aus der Informationstafel. © MA45 (BildNr. WF0011)


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So soll es mal werden. Ausschnitt aus der Informationstafel. © MA45 (BildNr. WF0012)


Ich habe zwar die ersten 9 Jahre meines Berufsleben als Programmierer/Operator bei der Baufirma Pittel&Brauswetter gearbeitet aber eine Vorstellung davon, wie viel Arbeit und Aufwand eine Baustrecke von knapp 300m bedeuten hab ich aus eigener Erfahrung bis heute nicht gemacht. Zum Glück, denn wenn man an der Baustelle entlang geht, sieht dass nach sehr viel Arbeit aus. Und sechs Monate kommen einen da als Baustellen-Laie schon verdammt kurz vor.

So eine Neugestaltung lässt aber auch immer Dinge verschwinden. So auch diese Neugestaltung des Wienflusses. Zum Bespiel eine kleine Staustufe, die unterhalb der Nikolaibrücke angelegt worden war.Diese Staustufe hat den Fluss etwas aufgestaut und eine kurze wilde Strecke nach dieser gebildet. Gleich nach der Staufstufe lag dann eine für den Wienfluss ungewöhnlich tiefe Stelle im Wasser. Durch diese Staustufe ist der Fluss hier auch mit Sauerstoff angereichert worden. In der jetzigen Bauphase gibt es die Staustufe mal nicht mehr. Da bin ich schon gespannt, wie diese Stelle nach dem Bauende aussehen wird.


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So hat die kleine Staustufe mal ausgesehen. Aufgenommen 21.09.2010 - Nachtaufnahme (BildNr. WF0013)



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Während der Bauphase im Jänner 2014. Die Staustufe ist mal weg. Aufgenommen Jänner 2014
(BildNr. WF0014)



Eine andere Sache, die so denke ich auch verschwinden wird - sind die Wienfluss-Grabsteine. Das sind alte Grabsteine ,die bei der Verschalung des Wienfluss und bei späteren Ausbesserungsarbeiten im Wienflussbett verbaut worden sind. Eigentlich hätten diese Grabsteine mit den Inschriften nach unten verbaut werden soll. Doch wie man derzeit noch sehen kann, gibt es doch einige davon die mit den Inschriften damals nach oben im Wienflussbett landeten.


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Grabstein in der Wienflussverschalung. Zwischen Endstation U4 Hütteldorf und der Bräuhausbrücke.
Heute nicht mehr sichtbar, da der neu angelegte Fussgängerweg darüber liegt. Aufgenommen 1.1.2004 (BildNr. WF0015)



Einige Grabsteine sind zwischen der Bräuhausbrücke und der Endstation der Linie U4 bereits dem Fussgänger/Radweg zum Opfer gefallen und unter dem betonierten Weg für eine ziemlich lange Zeit begraben. Da sich auf dieser Höhe des Flusses, am anderen Ufer, auch schon Baugeräte bemerkbar machen, ist es nur eine Frage der Zeit bis auch diese Grabsteine aus dem Bett gerissen oder überbaut werden.


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Ein weiterer Grabstein im Wienflussbett. Aufgenommen 1.5.2007 (BildNr. WF0016)


Sicherlich verschwinden bei einem Umbau immer Dinge, viele davon auf Nimmerwiedersehen, klar. Doch habe ich am Wienfluss selbst erlebt und fotografiert, dass diese Umbauten und Rückbauten zu einem naturnahen Fluss sicherlich für die Natur die besten Baumaßnahmen in den letzten fünfzig Jahren am Fluss waren und sind. Man konnte im letzten Jahrzehnt richtig zusehen wie Pflanzen und Tiere an den Fluss zurückgekehrt sind. Zumal es hier auch jetzt Tiere gibt, die ich in meiner Kindheit am Wienfluss nicht gesehen hatte - z.B. den Biber.


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Ein Zufallsbegegnung mit einem Biber. Kurz oberhalb der Nikolaibrücke. Aufgenommen am 27.05.2005 (BildNr. WF0017)


Aber mit Sicherheit ist diese Natur aus zweiter Hand am Wienfluss für die Tiere, die Pflanzen und die Erholungsuchenden eine ungemeine Bereicherung.


Gespannt bin ich darauf, wie der Umbau weiter geht und vor allem wie das Ergebnis aussehen wird. Lt. Auskunft auf der großen Tafel soll die Bauphase ja ein halbes Jahr dauern. Dann wird sich der, durch die Umbauten geschundene Teil des Wienfluss wieder erholen und die Tiere und Pflanzen werden mit der Unterstützung der Uni Wien für Bodenkultur diesen neu gestalteten Flussbereich wieder in Besitz nehmen.


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Blick ins Wienflussbett. Kurz oberhalb der Einmündung des Halterbaches. Aufgenommen am 21.09.2010 (BildNr. WF0018)




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Das Wienflussbett zwischen Nikolaibrücke und Bräuhausbrücke. Aufgenommen am 21.09.2010 (BildNr. WF0019)



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Das Wienflussbett während der Bauphase im Jänner 2014. Aufgenommen Jänner 2014 (BildNr. WF0020)



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Rechter Uferbereich, oberhalb der Einmündung des Halterbaches in den Wienfluss. Aufgenommen am 21.09.2010 (BildNr. WF0021)



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Blick vom linken Uferbereich an das rechte Wienflussufer während der Bauphase im Jänner 2014. Aufgenommen Jänner 2014 (BildNr. WF0022)



In meiner Kindheit waren der Halterbach, bzw. die wilden Wege neben dem Halterbach immer ein Zugang zum Wienfluss. Immer dann,wenn wir mit der Straßenbahn-Linie 49 nach Hütteldorf gefahren sind. Im Zuge der neuen Umbauen ist nun auch ein offizieller Zugang vom Halterbach zum Wienfluss im Bau.


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Mündung des Halterbaches in den Wienfluss. Aufgenommen 8.8.2010 (BildNr. WF0023)


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Mündung des Halterbaches in den Wienfluss während der Bauphase im Jänner 1014. Aufgenommen Jänner 2014 (BildNr. WF0024)



Obwohl ich nun knappe 160km weit weg vom Wienfluss wohne, stelle ich fest, dass die Faszination für den Fluss, der den Namen meiner Heimatstadt trägt, immer noch stark vorhanden und präsent ist. Seit nun über 14 Jahren sammle ich nun Aufnahmen vom Wienfluss. Dabei sind nicht nur Aufnahmen von den neuen renaturierten Bereichen entstanden, sondern auch aus anderen Bereichen des Wienflusses.

Mit diesem Eintrag möchte ich mir einen schon länger gehegten Wunsch erfüllen und es als Start betrachten, die fotografischen Jahre am Wienfluss aufzuarbeiten. Es hat sich eine riesige Anzahl von Bilder in diesen Jahren angesammelt und diese wird es nun echt Zeit mal zu sichten und neu zu ordnen. Ich habe eigentlich nicht gedacht, dass mir einmal folgender Gedanke durch den Kopf gehen wird „
Ich bin schon gespannt, was ich den so alles in meinem Wienfluss-Bild-Archiv“ finden werde.

Was sagt Ihr zum neuen Wienfluss? Haben euch die bisherigen Massnahmen der Renaturierung am Wienfluss gefallen?

Auf euer Feedback freut sich
Herbert Koeppel, Jänner 2014

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Herbert Koeppel, Jänner 2014

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