Rückblende 2018.331 - Back on stage


Herbert Koeppel Ausstellung


Back on stage. Klingt irgendwie „grosskopfert“ wie man bei uns zu sagen pflegt. Aber irgendwie stimmt es auch, wenn auch im kleinen Rahmen. Nachdem ich in den letzten Jahren mit Abwesenheit auf einer der größten, nein eigentlich der größten Messe in Österreich rund um die Fotografie geglänzt hatte, war ich nun am letzten Wochenende wieder mit von der Partie bei der Photo+Adventure 2018 in Wien.

Schon im Laufe des ersten Messetages fragte ich mich „
Warum bin ich nicht schon früher auf die Idee gekommen?
Mit Idee meine ich keine herkömmliche Standfläche im Rahmen der P+A zu bespielen, sondern einfach
meine Fotografien und daher auch mich im Rahmen der Fotoausstellungsfläche zu präsentieren. Keine Ahnung, warum man zehn Jahre dafür braucht um das gegenüber einem herkömmlichen Messeauftritt gut zu finden.

Seit bald 15 Jahren bin ich im Workshop-Geschäft. Vom Gefühl her gibt es mittlerweile eine nahezu unendliche Anzahl von angebotenen Workshops im Bereich der Fotografie. Viele Anbieter sind in den letzten Jahren dazugekommen, wodurch genau sie sich unterscheiden, ist oft nicht mehr so gut auszumachen. Keine Frage, der Zugang ist niederschwelliger geworden. Manchmal kommt es mir vor, als ob die Auswahlmöglichkeiten denen eines Milchregals im Supermarkt gleichkommt. Zwar sieht die Verpackung immer anders aus, die verschiedenen Milchsorten schmecken aber immer ähnlich bzw. ziemlich gleich. Aber dieses Thema wäre mal einen vertiefenden Gedanken wert.

Eine Entwicklung, die mich persönlich in den letzten Jahren herausgefordert hatte, war die Tatsache, dass man als Anbieter von Workshops nur mehr als Lieferant für Locations, Techniken und Arbeitsweisen gesehen wird. Der eigentliche Fotograf, der Mensch und seine persönlichen fotografischen Arbeiten wird im künstlerischen Sinne nicht bemerkt. Die eigenen Fotografien verkommen fast nur mehr dazu um TeilnehmerInnen zu Workshops zu locken und sie dienen fast ausschliesslich nur mehr als Vorlage und das nicht nur für TeilnehmerInnen, sondern auch für andere Anbieter.

Eine zweite Sache, die ich bei meinem letzten Auftritt auf einer Fotomesse als störend empfand, war der Jahrmarkt-, bzw. Rummelcharakter solcher großen Veranstaltungen. Nicht, dass das an sich etwas schlechtes wäre. Persönlich empfand ich es einfach ab einem gewissen Zeitpunkt als für mich nicht mehr passend. Viele Angebote, viele Anbieter, jeder möchte gehört und gesehen werden und jeder hat natürlich das beste Produkt, den besten Workshop, bzw. die beste Location dafür im Angebot. Mit einem herkömmlichen Messestand mit unaufgeregten Angeboten aufzufallen, ist fast nicht mehr möglich.


Herbert Koeppel Ausstellung



Die Tatsache also, dass sich in den letzten Jahren, die Anerkennung für die eigenen Fotografien fast immer auf die Aussage „Wo ist das fotografiert?“ oder noch viel schlimmer auf „Mit was ist das fotografiert?“ reduziert hatten und dass mir ein herkömmlicher Auftritt im Messebereich eigentlich nicht mehr entspricht, haben mich daher in den letzten Jahren einige male von der größten Fotomesse in Österreich ferngehalten. Keine Sorge, ich bin nicht so größenwahnsinnig, dass ich mir denken würde, dass meine Abwesenheit irgendeinem Messebesucher aufgefallen wäre. Ich neige sogar dazu, dass 100% der Messebesucher das eben nicht aufgefallen ist. Da bin ich völlig realistisch.

Man sollte als Fotograf auch zugeben können, dass einem die obige Wertschätzung der eigenen Arbeiten einfach zu wenig ist, man wünscht sich eben ab einem gewissen Zeitpunkt eine andere, intensivere Wertschätzung der eigenen Fotografie. Die Beschäftigung mit den eigenen Arbeiten sollte beim Bildbetrachter schon mehr als das „Wo ist das fotografiert bzw. wie komm ich dort hin? Mit was fotografiert man das?“ auslösen.

Der Besuch anderer Veranstaltungen, die eigentlich mit der Fotografie gar nichts zu tun haben, zeigten mir aber, dass sich die gewünschte Wertschätzung, weiters der Verkauf von Fotografien und sogar das Thema Workshops durchaus verbinden lassen. Daher ist eben der Wunsch entstanden eben auf der Photo+Adventure zu Versuchszwecken im Foto-Ausstellungsbereich präsent zu sein und
meine Fotografien und mich zu präsentieren.

Was soll ich sagen, das Experiment, der Versuch hat für mich geklappt.

Bereits am Nachmittag des ersten Photo+Adventure Tages war mir klar, dass ich hier genau die richtige Entscheidung getroffen hatte. Mein Versuch mehr als
Fotograf, anstatt ausschliesslich als Location-Lieferant gesehen zu werden, ist aufgegangen. Die Gespräche, die Fragen, die Unterhaltungen bzw. die Bekundungen der BesucherInnen, denen meine Arbeiten gefallen haben, dass alles hat mich darin bestärkt auf diese Art und Weise, in Zukunft mehr als Fotograf wahrgenommen zu werden.

Dem einem oder anderem wird jetzt wahrscheinlich die Frage auf der Zunge brennen „Hat er auch was verkauft?“. Dazu gibt es nur ein eindeutiges Ja von mir. Welche anderen Auswirkungen meine
Selbstpräsentation dieser Art haben wird, werde ich noch sehen.

Obwohl man viel herumsteht, sitzt und viel Zeit zum Nachdenken hat, zwischen den Gesprächen mit Besuchern und Ausstellungsnachbarn, so hat es mir wirklich viel Freude bereitet einen Teil der Fotoausstellungsfläche der diesjährigen Photo+Adventure 2018 in Wien mit meinen Fotografien bespielen zu dürfen.

In diesem Sinne, viel Freude mit der Fotografie...

PS: In Rückblende 2018.260 habe ich ja die Kommentarfunktion im Blog geschlossen. Inzwischen habe ich meine Meinung geändert. Seine Meinung zu ändern, wenn man darüber nachgedacht hat, ist ja auch gut und daher bin ich zum Schluss gekommen, dass ich die Kommentarfunktion im Blog wieder öffne.

Texthinweis: Dieser und andere Texte stellen meine ganz persönliche Meinung dar und drehen sich um Dinge, die mich im Rahmen der Fotografie beschäftigen und werden von mir immer absolut subjektiv wiedergegeben. Klar dabei ist, dass weder ich, noch irgendjemand anderer einen Anspruch auf die ultimative Wahrheit hat.

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