Es ist keine Kunst, es ist einfach nur Photographie…


Jeder möchte etwas Besonderes sein...

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Einige meine verschickten Weihnachtskarten sind schon bei den EmpfängerInnen angekommen. Einige davon haben mir per eMail auf meine Weihnachts- und Neujahrsgrüsse bereits geantwortet. Wiederum einige davon berichten davon, dass sie schon länger, über Monate nicht mehr fotografiert haben, dass ihnen nichts Neues mehr zum Fotografieren einfällt oder dass sie überhaupt sehr wenig, bis gar nicht motiviert sind überhaupt zu fotografieren.

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Aus der Serie "EnnsStones 2014 / 2015" - Bild © Herbert Koeppel

Darüber habe ich in den letzten Tagen immer wieder nachgedacht. Meine Webseite ist ja soweit wieder umgebaut, dass ich aktuell damit gut leben kann und meinen Blog möchte ich ja in Zukunft mehr den Gedanken über meine Bilder widmen und dadurch auch etwas dazu beitragen, natürlich meine, aber auch Eure Kreativität etwas anzustossen.

In der heutigen Zeit gibt es wirklich eine Menge guter fotografischer Arbeiten. Heute ist es einfach so, dass man doch relativ einfach gut gemachte Bilder machen kann. Jeder der sich heute mit Fotografie beschäftigt hat Zugriff auf hervorragende Technik, abseits von Covid-19 hat auch nahezu jeder die Möglichkeit an jeden Ort zu kommen um zu fotografieren. In der Nachbearbeitung am Computer haben eigentlich auch alle hervorragende Werkzeuge zur Hand.

Was mit all der Technik, all den Möglichkeiten aber irgendwie abhanden kommt, ist die Eigenständigkeit, man kann auch sagen die Originalität der fotografischen Arbeiten geht irgendwie verloren.

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Baum an der Aist - 2017 - Bild © Herbert Koeppel

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Aus der Taugl Serie - 2018 - Bild © Herbert Koeppel

Für viele scheint es aber wirklich notwendig zu sein darüber nachzudenken, wie man die eigene Originalität, die ich viel lieber mit Individualität umschreibe, fördert und weiterbringt. Ein Gedanke der jeden irgendwie auch dazu bringen muss, sich die Frage zu stellen „Was ist das eigentlich für ein Ding, die Originalität?“ Gibt es das überhaupt?

Man sagt ja auch, dass was man „isst“, dass „ist“ man auch.

Dadurch, dass die Welt voller Bilder ist, ständig viele Bilder angesehen werden - fotografiert man nicht auch das was man ständig an Bildern sieht?

Ist es eigentlich in Ordnung, dadurch das eigentlich so gut wie jeder die gleichen Orte wie alle anderen aufzusuchen kann, dort auch ähnliche Bilder zu machen?

Irgendwie ja, aber auch irgendwie auch wieder nicht.

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Mönchsberg / Salzburg 2019 - Bild © Herbert Koeppel

Auch wenn wir an Orten stehen, an denen viele schon vor uns waren und wir dort ähnliche Bilder machen, so werden unsere Arbeiten auch immer etwas von uns selbst enthalten. Wenn auch viele Arbeiten, von den Originalen, oder auch von den vielen anderen Bildern die an einem Ort gemacht worden sind, nicht mehr zu unterscheiden sind.

Etwas von einem selbst ist schon in diesen Bildern, es ist oft nur viel zu schwer zu erkennen. Man erkennt die Einflüsse unserer Vorbilder, aber der eigene Einfluss ist oft nicht wirklich sichtbar oder muss erst umständlich erklärt werden.

Sehr oft versteckt man den eigenen Blick viel zu sehr in diesen nachgemachten, nachgeahmten und bereits gesehenen Aufnahmen eines Ortes.

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Bäume am Wegesrand - 2019 - Bild © Herbert Koeppel

Wenn ich auf meine eigenen „farbigen“ Arbeiten zurückblicke, dann finde ich dort auch viele Einflüsse und einige Versuche manche Dinge, wie so manch anderer zu machen. Da sind z.B. die Einflüsse der Fotografen, mit denen ich einige Jahre lang wirklich sehr oft gemeinsam fotografieren war.

Dadurch habe ich mich damals schon des öfteren in technische Dinge verstrickt, die ich heute einfach ignoriere. Was habe ich mich bemüht im Nikon DX-Format mit Tilt - Objektiven zu arbeiten oder in der klassischen Landschaftsfotografie - den frühen Morgen oder auch das sogenannte schöne Licht am Nachmittag zu nutzen.

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Am grossen See - 2020 - Bild © Herbert Koeppel

Interessant ist es für mich erst geworden, wie ich durch die Art und Weise wie Bruce Barnbaum in seinen Bücher über die Fotografie nachdenkt, über meine eigene Fotografie nachzudenken begonnen habe. Mittlerweile ist es für mich meistens interessanter was andere Fotografen über deren eigene Fotografie schreiben oder sagen, als deren Bilder an sich.

Es gibt mittlerweile Fotografen, deren Art und Weise der Ausarbeitung ihrer Bilder wesentlich mehr Einfluss auf mich hat, als deren eigentlichen Bilder. Zu nennen wären da z.b. Michael Kenna oder auch Andreas Jorns.

Wie viele von uns wollte ich früher dramatische Kompositionen und als ich noch Farbbilder produzierte intensive Farben in meinen Arbeiten einarbeiten. Wenn ich so zurückblicke, auf die letzten 6 -7 Jahre, dann hat sich im Gegensatz zu früher meine Fotografie doch sehr verändert.

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Berge / Nebel - 2020 - Bild © Herbert Koeppel

Mittlerweile erkenne ich schon wesentlich mehr von „Mir“ in meinen Arbeiten, als von den vielen Einflüssen denen ich in den letzten knapp 24 Jahren fotografisch ausgesetzt war.

Früher konnte ich mich nie wirklich selbst in meinen Bilder sehen. Das ist auch einer Gründe, warum ich mit meinen Farbaufnahmen eigentlich nie so wirklich zufrieden gewesen war.

Selbstreflexion, viel über die eigene Fotografie nachzudenken und auch die Beschäftigung mit vielen meiner alten Bilder, die ich nachträglich in meine schwarzweisse und quadratische Fotowelt geholt habe, haben mir dabei geholfen in alten Arbeiten auch etwas vom jetzigen „Ich“ zu finden.

Mittlerweile zieht sich doch ein wenig ein roten Faden durch die eigene Fotografie. Schwarzweiss und das Quadrat sind für mich dabei wichtige Hilfsmittel. Aber auch der Entschluss mich mit anderen Motivwelten, abseits der ausgetrampelten naturfotografischen Wege, zu beschäftigen hat mir die Möglichkeit gegeben, mehr von von „Mir“ in meinen Bildern zu finden.

Es ist aber auch nicht leicht, herauszufinden wer man als Fotograf, als Künstler ist. Sich selbst als Künstler zu bezeichnen hat immer einen etwas seltsamen Beigeschmack. Es geht dabei aber nicht darum die Welt lautstark wissen zu lassen, dass man nun Künstler sei. Es geht dabei eher um eine stille, einfache Übereinkunft mit sich selbst zu treffen mehr Künstler als davor sein zu wollen.

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Waldviertel - 2021 - Bild © Herbert Koeppel

Gerade für Fotografen ist es heute keine einfache Sache wirklich sie selbst zu sein. Es bedeutet Arbeiten, Fotografien zu schaffen, die andere in dieser Form, bzw. Art und Weise nicht so machen. Es bedeutet aber auch, Bilder zu machen mit denen man nicht auf der sicheren Seite des Beifalls ist. Es bedeutet den eigenen Vorstellungen und auch Überzeugen nachzugehen und sich eigentlich nicht darum zu kümmern, welche Lokations gerade „IN“ sind und Garanten für Likes, Herzchen oder so irgendwie gearteten Zustimmungen bedeuten.

Sich um die eigene Originalität, die eigene Individualität zu kümmern in der Fotografie bedeutet jedenfalls es sich selbst „schwerer“ zu machen. Man muss es wirklich wollen und sich dafür aktiv entscheiden nicht konform zu sein, nicht einem weiteren Trend zu folgen. Auch wenn man feststellt, dass dadurch die Bilder gar nicht geschätzt werden.

Es ist eigentlich eine einfach Sache, mehr Individualität in die eigene Fotografie zu bringen, es bedeutet sich eigentlich so gar nicht darum zu kümmern, was andere von der eigenen Arbeit halten. Selbstvertrauen dabei aufzubauen, seine eigenen Ideen und Motivwelten zu folgen, ist dabei die Art und Weise eine Richtung einzuschlagen, die andere dann davon abhält nachahmend die gleichen Motive abzulichten.

Das Internet, die sozialen Medien sind voll mit guten, aber auch oft sehr ähnlichen Arbeiten. Selbst etwas zu finden, dass dazu beiträgt sich mit den eigenen Arbeiten davon etwas hervorzuheben, ist die eigentliche Arbeit.

Die Entscheidung zu treffen, ein schönes, gutes Motiv eben nicht nochmal so oder so ähnlich abzubilden wie man es schon gesehen hat, ist dabei ein wichtiger Schritt, erst dann hat man die Chance mit eigenen, individuellen Arbeiten daheim anzukommen.


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