Es ist keine Kunst, es ist einfach nur Photographie...

Zurück an der Taugl #5 - Drei Tage - Drei Bilder

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Vor einigen Tagen war ich gemeinsam mit Wolfgang, einem p365 Taugl - Teilnehmer für einige Zeit im Gebiet der Taugl unterwegs. Im Laufe dieser Tage unternahmen wir in der Mehrzahl fotografische Touren an Stellen, die Wolfgang in der Vergangenheit noch nicht mit der Kamera besucht hatte. Das Wetter bescherte uns einen Kontrastbogen, der sich vom sehr warmer Witterung bis hin zu ganz ordentlichem Regen mit Gewitter spannte.

Neben den Gesprächen mit Wolfgang, ist mir, was meine Photographie anbelangt auch wieder so einiges durch den Kopf gegangen. In den letzten 12 Jahren bin ich ja wirklich sehr oft in dieser Landschaft zum photographieren gewesen. Man kann sich gut vorstellen, dass während dieser Zeit eine ganze Menge Bilder entstanden sind. Zu allen Jahreszeiten, angefangen von unzähligen Wasserfällen, bis hin zu fossilen Versteinerungen. Während dieser vielen Besuche hat sich mein persönlicher photographischer Fokus auf diese Landschaft aber doch auch sehr verschoben und verändert. Das übliche „nette Bild eines Wasserfalls“ versuche ich dabei mittlerweile schon eine ganze Zeit lang bewusst zu vermeiden.

Aufnahmen von schönen Wasserfällen mag ich natürlich weiterhin, aber ich persönlich lasse diese Motive ganz bewusst aus. Sie sprechen mich im Bezug auf meine eigene Photographie einfach nicht mehr an. Zumal ich für mich, das in etwa so sehe, wie mit den Bildern von Sonnenaufgängen/Sonnenuntergängen. Ein Bild von einem Wasserfall ist halt eben nur ein Bild von einem Wasserfall und das gleiche gilt für mich auch für Sonnenauf- und Untergänge.

Ich kann aber das Gefühl meiner TeilnehmerInnen gut nachvollziehen, wenn sie das erste mal in der Landschaft an der Taugl sind und dabei vollkommen „geflasht“ von der wilden Landschaft sind. Erging es mir in den ersten Jahren ja auch nicht wirklich anders. Viele Felsen, Felsbrocken, Bäume und Wasserfälle sind aber mittlerweile schon so etwas wie alte Bekannte für mich. Alte Bekannte, bei denen ich immer wieder gespannt darauf bin, was mit ihnen seit meinem letzten Besuch so alles passiert ist. Da entdeckt man, dass das letzte Hochwasser einen schweren Baum weggespült hat, einen Felsen der langsam aber sicher in den letzten 12 Jahren durch die Kraft des Wassers vorwärts bewegt wurde oder riesige Felsbrocken, die einfach mal umgefallen sind. Es sind Veränderungen in einer Landschaft, die man eben nur bemerkt, wenn man so wie ich in den letzten 144 Monaten wirklich oft dort war.

Während sich für die Menschen, die dort zum ersten mal unterwegs sind, mit einem Schlag ein Füllhorn an Motiven auftut, ist mein eigener Blick im Laufe der letzten Jahre enger und spezifischer geworden. Spezifischer in dem Sinne, dass ich ausschliesslich nach Motiven Ausschau halte, die mich wirklich ansprechen. Motive, die einfach nur „gut“ aussehen vermeide ich ganz bewusst zu photographieren.

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Das hat beim letzten Besuch auch dazu geführt, dass mir von drei Tagen eigentlich genau drei fertige Aufnahmen übrig geblieben sind. Drei Tage, drei Bilder. Das mag so manchen etwas wenig vorkommen. Mir nicht. Im letzten Jahrzehnt ist mir sehr wohl, durchaus auch am Beispiel mancher TeilnehmerInnen bewusst geworden, dass das Giesskannen/Schrottflinten-Prinzip beim Photographieren eigentlich in keinster Weise die Anzahl der Bilder erhöht, mit denen man am Ende wirklich zufrieden ist. Gerade an der Taugl ist es mir schon lange sehr wichtig vom üblichen „netten Wasserfall-Blick“ wegzukommen und nur mehr Motive abzulichten, mit denen ich mich bei meiner Photographie auch wirklich identifizieren kann. Diese Motive müssen mich und nur mich ansprechen und letztendlich zu einem fertigen Bild führen, dass es mir Wert ist auszudrucken. Irgendwann werden diese Bilder dann auch natürlich hergezeigt, aber ein mögliches Bilder-Publikum blende ich bei der Photographie und bei der Arbeit am Computer schon länger ganz bewusst aus.

Klarerweise habe ich mich dabei schon länger von der „Naturfotografie“ entfernt. Das ist für mich auch weiter nicht tragisch, denn meine frühere Selbsteinordnung in den Bereich der Naturfotografie ist für mich mittlerweile vollkommen sekundär und damit vollkommen unwichtig geworden. Die meisten meiner Motive für meine Bilder finde ich natürlich nach wie vor unter freiem Himmel, die photographischen Ergebnisse sind dabei aber für mich erfreulicherweise „keine Naturfotografien“ mehr.

Seit ich mich intensiv mit der digitalen Schwarz-Weiss Photographie auseinander setze sind meine Arbeiten für mich formbarer geworden und dadurch habe ich mich vom Versuch mit Bildern, die Realität wiederzugeben selbst entbunden. Wozu auch, wenn ich eine menschlich, realistische Abbildung sehen möchte von einer Landschaft, dann schaue ich mir diese Landschaft mit eigenen Augen einfach an. Schwarz-Weiss Photographien empfinde ich wie gesagt als formbarer und dadurch auch irgendwie geheimnisvoller als die bunte Welt der Farbfotografie. Ich habe eigentlich kein Interesse mehr daran die Realität in meinen Photographien zu reflektieren, sondern sie sind vielmehr eine Art von Interpretation der ursprünglich vorhandenen Realität.

Mir ist irgendwann klar geworden, dass meine digitale Photographie der Ersatz für meine nicht vorhandenen Zeichenkenntnisse ist. So gesehen betrachte ich das digitale Negativ eigentlich nur mehr als eine Art „digitale Skizze“ auf dem Weg zum fertigen Bild. Hin und wieder ist das Ergebnis schon während der Photographie klar, manchmal entsteht die endgültige Idee erst bei der Durchsicht der „digitalen Skizzen“ am Computer. Jedenfalls betrachte ich die Motive, die ich photographiere eigentlich nur mehr als Vorlagen für meine photographischen Endergebnisse.

Mir sind diese Gedanken während meinem letzten Aufenthalt an der Taugl wieder sehr bewusst geworden. Diese Haltung entbindet mich doch sehr von den vielen Anforderungen, Normen, Regelwerken und Vorstellungen, die gerade in der Naturfotografie zwar durchaus deren Berechtigung haben, aber mit meiner eigenen digitalen Photographie nichts mehr zu tun haben.

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Letztendlich habe ich die Photographie gewählt um mich auszudrücken. Mit einem naturfotografischen Abbild funktioniert das nicht in meinem Sinne, es ist mir zu Nahe an der reinen Abbildung dran. Deswegen bin ich aus den oben angeführten Gedanken zufrieden damit, dass nach drei Tagen an der Taugl, quasi pro Tag nur ein Bild übrig geblieben ist.

Euer

Herbert


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