22.09.2026 | Herbert Koeppel (Text und Bild)
Schön, dass ihr das macht, super, dass ihr aufräumt! Na dann macht doch mit, denn heute ist der World Cleanup Day! Davon wusste ich gar nichts? Oder auch: „Super, dass ihr aufräumt. Ich habe euch eh schon den restlichen Tag herumlaufen gesehen.“ So oder ähnlich klingt es, wenn Besucher:innen der Traun-Donau-Auen einer Gruppe von fünf Menschen begegnen, jeder mit einem Müllsack in der Hand, in der Au unweit von Linz.
Vor ein paar Tagen war wieder mal der World Cleanup Day und wie immer haben die meisten unserer Mitmenschen wieder gar nichts davon mitbekommen.
Dabei gibt es diesen Tag schon einige Jahre, sogar mit Rückhalt der UNO-Generalversammlung. Diese hat offiziell den 20. September eines Jahres zum Aktionstag erklärt – zum World Cleanup Day.
Vor mehr als zehn Jahren war ich beim Fotografieren in den Traun-Donau-Auen zum ersten Mal über so richtig viel Müll gestolpert. Mit der damaligen Erkenntnis, dass sich die Au langsam, aber sicher an vielen Stellen in eine Art Restmülldeponie verwandeln könnte, war ich nicht allein. Denn im Mai 2014 erschien in den OÖNachrichten ein Artikel mit dem Titel „Schmutzfinken bedrohen seltene Tiere und Pflanzen“. Die Auen sind Natura-2000- und Naturschutzgebiet, Heimat seltener Arten. Trotzdem lag dort alles Mögliche herum, vom Jausenpapierl über Plastikflaschen und Anglerschnur bis zur Autobatterie. Mitarbeiter der Naturkundlichen Station der Stadt Linz fanden tote Vögel, die an Plastikmüll gestorben waren, darunter Nachtreiher und Uhu. Die Umweltstadträtin nannte es „kein Kavaliersdelikt
Also setzten sich damals Stadt, Fischereiverband und Wasserschutzwacht zusammen. Die Behörde kann nicht ständig kontrollieren, also geht seither ein Ehrenamtlicher regelmäßig durch die Au. Die Fischer lernen Naturschutz in der Ausbildung, und im Sommer räumte die Stadt gemeinsam mit Schulklassen auf.
Spannend fand ich dabei, dass Fischer extra Naturschutz in der Ausbildung lernen mussten!
Die ganzen Aktionen dürften damals, zumindest laut Aussage der Wasserschutzwacht, gewirkt haben. Ob der ehrenamtlich Beauftragte immer noch in der Au unterwegs ist? Nun, persönliche Begegnungen hatte ich bis dato eigentlich keine.
Seit ich meine zweite Heimat in St. Florian gefunden habe, bin ich allein oder mit anderen Menschen immer wieder in der Au unterwegs. Solche Landschaften stellen aber für nicht wenige Menschen eine Art Selbstverständlichkeit dar, gerade selbsternannte Naturfotograf:innen sehen darin oft schlicht eine Kulisse für ihre Landschafts- oder Tierfotografie.
Um selbst etwas für den guten Zustand der Au zu unternehmen, entstand dann die Idee, im Rahmen des jährlichen World Cleanup Day der Aulandschaft vor den Toren von Linz etwas Gutes zu tun und Müll aus der Au zu schaffen. Der Plan bezog anfangs auch alle diejenigen mit ein, die im Laufe der Jahre mit mir dort unterwegs waren.
Damals gab es die eine oder andere lose Zusage wie z. B. „Gute Idee, ich mache mit …“. Mehr wurde aus solchen Zusagen aber weiter nichts. Im ersten Jahr waren Helga, ihr Enkel und ich zum Sammeln von Müll in der Au. Im Jahr darauf war dann Alexandra (Architektin und Fotografin) aus Linz mit dabei. Und das, wohlgemerkt, obwohl sie vorher nie mit mir gemeinsam zum Fotografieren in der Au gewesen war.
Heuer war alles anders: Mit zwei Fotograf:innen (Angela, Wolfgang) und einem weiteren Müllsammler (Manfred) aus Wien gab es tatkräftige Unterstützung am heurigen Cleanup Day.
Angela und Wolfgang waren schon mit mir gemeinsam im Rahmen eines Workshops in der Au unterwegs. Manfred, Angelas Ehemann, kam einfach zur weiteren Unterstützung dazu, und auch Helga war mit dabei.
Angela, Manfred und Wolfgang sind extra den Weg aus Wien gekommen und haben mitgeholfen, beinahe 54 kg Müll an diesem Tag aus der Au zu schaffen. Seltsam, dass sich niemand sonst aus der Gegend, aus dem restlichen Oberösterreich oder unter denen, die die Traun-Donau-Auen als Kulisse für ihre Fotografie nutzen, gemeldet hat, um mitzuhelfen. Müllsammeln ist an einem warmen, spätsommerlichen Samstag wahrscheinlich doch nicht so „sexy“, wie den Sonnenauf- oder -untergang in der Au zu fotografieren.
Ich bedanke mich daher herzlich bei Angela, Wolfgang, Manfred und Helga für die tatkräftige Unterstützung am diesjährigen World Cleanup Day.
Von den Fundstücken der 54 kg Müll aus der Au, hier im Beitrag verteilt, könnt ihr euch ja selbst ein Bild machen. Da ist schon das eine oder andere kuriose Fundstück dabei. Ein wenig verdient haben wir dabei auch, denn man findet natürlich auch die eine oder andere Pfanddose.
Nicht zu verachten ist auch der Müll in der Umgebung von Parkplätze, dort findet man auch so einiges bis hin zu frischen, noch original verpackten Lebensmittel die einfach achtlos in Richtung Auwald geworfen wurden.erwegs. Manfred, Angelas Ehemann, kam einfach zur weiteren Unterstützung dazu, und auch Helga war mit dabei.
Am späteren Nachmittag verwandelte sich dann unsere Hauseinfahrt in St. Florian noch in eine kleine Mülltrennanlage. Der Müll wurde getrennt und natürlich auch fotografisch dokumentiert. Manches kam in den gelben Sack, einiges in die Papiertonne, weiteres in die Restmülltonne, und nicht wenig wurde in den Tagen darauf von mir ins ASZ in St. Florian gebracht
Nächstes Jahr am World Cleanup Day lade ich übrigens wieder gerne alle ein mitzumachen. Ein paar Stunden Zeit, ein Müllsack, Handschuhe und der Wunsch, die Au etwas sauberer zu hinterlassen, ist alles, was man dazu braucht.
Wer also im kommenden Jahr am 20. September mitmachen möchte, kann und darf sich auch jetzt schon bei mir melden.
Vorheriger Beitrag
Analog | Digital | Farbfotografie | FineArt Printing | Fotografie & Kreativität
Gelesen | Klimakrise | Mac & Co | Neue Prints | Proletenschlauch Protokolle
Sammlung Koeppel | Social Media | The Good Photographer
Tummelplatz Galerie | Wienfluss.Erinnerungen
Wie Bilder wirken… | Workshops
Zwischen Gestern und Heute - Ratzenstadl, Magdalenengrund und Mariahilf