Was ich nicht vermisse
Drei Jahre ohne eigenen PKW

05.06.2026 | Herbert Koeppel (Text) / Dr. Heinrich Tauscher (Foto 1999)


Mein 2CV Scotch - Mein erstes und einziges wirkliches Auto / Foto: Dr. Heinrich Tauscher 1999

Mein 2CV Scotch - Mein erstes und einziges wirkliches Auto / Foto: Dr. Heinrich Tauscher 1999

Wer wie ich in den 1970er- und 1980er-Jahren in Wien aufgewachsen ist, für den waren öffentliche Verkehrsmittel schlicht selbstverständlich. Stadtbahn, dann U-Bahn, Bus oder Bim. Damals war das noch keine Haltung, kein Statement.
Man fuhr einfach von A nach B.

Mit dem eigenen Auto habe ich mir entsprechend Zeit gelassen. Sehr viel Zeit. Während ringsherum längst alle den Führerschein machten und stolz ihre erste Karre präsentierten, gehörte ich zu jenen, bei denen das noch lange dauern sollte. Kein Drama, denn ich hatte nie das Gefühl, etwas zu verpassen.

Zwei Dinge haben mich in meinem Leben als Vertreter des männlichen Geschlechts nie wirklich gepackt: Fußball und Autos, in jeglicher Form.

Mein erstes eigenes Auto fiel dementsprechend bescheiden aus. Ein Citroën 2CV in der Ausführung Scotch. 29 PS. Knapp 22 kW im heutigen Sprachgebrauch.

Was ich zugeben muss: Der 2CV war bis heute der einzige meiner motorisierten Untersätze, der mir so etwas wie echte Fahrfreude vermittelt hat. 50 oder 70 km/h, das waren die Tempi, bei denen der Zweizylinder-Motor so richtig schnurrte. Alles darüber fühlte sich bereits gehetzt an.

Wenn es auf die 100 km/h zuging, beschlich einen unweigerlich das Gefühl, dass sich bei geöffneten Seitenfenstern die Frage nach dem Abheben nicht mehr ganz so theoretisch stellte. Schließlich war man gewichtsmäßig mit knapp 600 Kilogramm einer einfachen Cessna nicht allzu fern.

Eva, die mir den 2CV verkaufte, hatte zu Unfällen eine entspannte Haltung: Dort, wo die Unfälle wären, würde ich mit meinem 2CV noch gar nicht sein.

Preislich lag mein erstes Auto unter 10.000 Schilling, also unter 800 Euro heute. Wer heute einen vergleichbaren 2CV auf dem Gebrauchtmarkt sucht, erlebt eine Ernüchterung, denn satten 14.000 Euro begegnet man dort ohne weiteres.

Meinen letzten eigenen Wagen, einen Škoda Combi, hatte ich bis vor genau drei Jahren. Abgeholt wurde er von zwei freundlichen Herren, die mir dafür einen Gegenwert von 100 Euro überreichten. Der alte Škoda mit über 200.000 Kilometern auf dem Tacho hatte seine letzten Tage als Organspender vor sich. Es gibt Abschiede, die man betrauert, und es gibt solche, bei denen man einfach die Tür zumacht. Dieser hier war der zweitere: hundert Euro, zwei freundliche Herren, fertig.

Vermisse ich einen eigenen Wagen? Nein. Definitiv nicht.

Keine Reparaturen. Kein jährliches Pickerl. Kein Reifenwechsel, kein Öl oder Scheibenreiniger nachfüllen. Und kein trauriger Blick auf den Literpreis an der Zapfsäule.

KlimaTicket, Carsharing und die gelegentliche Nutzung des anderen, kleinen Wagens im Haushalt haben mich von etwas befreit, das ich lange nicht als Bürde erkannt hatte: den Besitz eines eigenen Autos. Man gewöhnt sich so sehr an die Kosten, den Aufwand, die stille Verpflichtung, die so ein Fahrzeug mit sich bringt, dass man gar nicht mehr bemerkt, wie viel Lebenszeit man dafür aufwenden muss, es am Laufen zu halten.

Bis man es eines Tages einfach lassen kann.

Umso mehr hat mich eine Meldung im Mai erwischt: Citroën bringt die Ente zurück. Elektrisch, unter 15.000 Euro, Serienstart 2028. Vielleicht ist es kein Zufall, dass ausgerechnet die Ente wieder auftaucht, in einer Zeit, in der das Auto für viele längst aufgehört hat, Freiheit, vor allem in finanzieller Hinsicht zu bedeuten.

Meine Scotch-Ente bleibt trotzdem das einzige Auto, das ich je wirklich gemocht habe. Das überrascht mich selbst.



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Herbert Koeppel
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Seit 06/2022: 53.865 km mit dem KlimaTicket Ö unterwegs.