Streetfotografie mit Style

08-01-2026 | (Text Herbert Koeppel, Foto: Fotograf:In umbekannt, Abgebildet Heinrich Tauscher - Sammlung Koeppel)


Wer braucht schon „Shooting from the Hip“, wenn man eine Lederjacke und eine Schlaghose hat? Dieses Bild zeigt uns, wie man in den Siebzigern den perfekten Moment einfing: mit voller Präsenz und maximalem Style.


Die Schlaghose, aerodynamisch vielleicht fragwürdig, aber als Stativ-Ersatz unschlagbar. Wenn der Wind richtig steht, gibt sie dem Fotografen die nötige Bodenhaftung für knackscharfe Aufnahmen.

Das Equipment, keine winzigen Sensoren, sondern Film, echtes Metall und Glas. Wenn dieser Verschluss auslöst, klingt das nicht wie ein sanftes Klicken, sondern wie das satte Zuschlagen einer Tresortür. Diskretion? Fehlanzeige. Aber wer braucht Diskretion, wenn man so verdammt cool aussieht?

Während moderne Streetfotografen oft wie Geheimagenten versuchen in der Menge nicht aufzufallen, sagt dieser Fotograf: „Ja, ich fotografiere dich gerade. Und ja, ich sehe dabei besser aus als das Motiv!“

Der „Full Presence“-Ansatz hatte etwas Ehrliches. Man versteckte sich nicht hinter der Anonymität der Masse. Man war Teil der Szene. Die Koteletten dienten vermutlich als zusätzliche Antennen für das Auffinden guter Motive, und die Sonnenbrille sorgte dafür, dass die Belichtungsmessung nicht von der eigenen Brillanz geblendet wurde.

Heute werden lautlose, spiegellose Kameras genutzt, um bloß nicht aufzufallen. Vielleicht sollten wir uns eine Scheibe davon abschneiden: Lederjacke an, Kamera hoch und den Moment mit einem lauten „Klack“ einfangen.