Es ist keine Kunst, es ist einfach nur Photographie...

Wiener Zuckerln

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Obwohl mein Onkel, wie ich bereits erwähnt hatte sich seine photographischen Arbeiten meistens sozusagen aus der Nase ziehen hatte lassen, sosehr hat es mich doch rückblickend beim durchforsten seines photographischen Nachlassen gewundert, dass er Anfang der 2000er Jahr doch daran gedacht hatte seine Bilder anderen Menschen zugänglich zu machen. Aus einer von ihm geplanten Website ist zwar nichts geworden, aber eine Serie die er „Wiener Zuckerln“ nannte fand damals auf www.wieninfo.cc im Internet eine Plattform. Diese Plattform existiert heute nicht mehr. Man sagt zwar immer das Internet vergisst nichts, aber in diesem Fall dürfte nicht nur die kleine Serie meines Onkels aus dem Internet verschwunden sein, sondern auch der Inhalt der wieninfo.cc .

Seine Bilder und seine originalen Texte zu dieser Serie sind aufgrund der teilweise redundanten Datensicherung meines Onkel noch vorhanden. Dreizehn kurze Geschichten mit jeweils ein paar Bildern dazu hatte er zusammengetragen. Manche dieser von ihm als „Wiener Zuckerl“ bezeichnen Orte gibt es heute wahrscheinlich nicht oder in der damaligen Form nicht mehr. Da ich seine Texte unverändert lassen möchte , sollte man als Leser auch im Hinterkopf behalten, dass diese Serie 2001 ihren Weg ins damalige Internet fand und manche der Gedanken meines Onkels von ihm vor mehr als 20 Jahren gedacht worden waren und daher heute nicht mehr aktuell sind oder auch genau das Gegenteils davon sind.

Jedenfalls möchte ich Euch nun in der nächsten Zeit die Serie „Wiener Zuckerln“ meines Onkels vorstellen.


Wiener Zuckerln
Was Mitte des vorigen Jahrhunderts, kurz nach dem 2.Weltkrieg hochmodern und top war, kann und muß heutzutage bereits als das neue „Alte Wien“ angesehen werden. Das „Alte Wien“ hat eine Dauereigenschaft, es stirbt unentwegt - deswegen ist es für den Wiener seit jeher einfach überlebensnotwendig, nicht unterzugehen in den neuen Zeiten.

In diesen Jahren um die Jahrtausendwende (2001) ist in unserer Stadt wohl ein ähnlich tiefgreifender Umgestaltungsprozess im Gange wie etwa vor 100, 120 Jahren. Ja, manches Mal beschleicht einen sogar das Gefühl, daß nun jene Entwicklungen einer Großstadt ihre Fortsetzung finden, die mit dem Ende der Monarchie so jäh unterbrochen wurden. Viel Neues taucht auf. Eine der Eigenschaften des Neuen ist es, Altes zu verdrängen, zu ersetzen. So ist diese Reihe in erster Linie dem Charme und den Vorteilen des verschwindenden Alten gewidmet.

Vor allem dem Alten, das in der Zeit der Massen- Uniformierung aller Waren ausgesprochenen Spezialitätencharakter schon seit jeher besessen oder nunmehr erlangt hat. Aber nicht nur, es gibt auch ebenbürtiges Neues, auch dies soll Gegenstand dieser Reihe sein. Dazwischen eingestreut, so manche kleine, schon fast vergessene Eigenheiten dieser Stadt in Wort und Bild.

Eben Wiener Zuckerln, etwas ganz Spezielles und Exquisites !


Die süssen Zuckerln
Eine ernstheitere Geschichtenreihe, die sich „Wiener Zuckerln“ nennt, hat ja geradezu die Verpflichtung, mit etwas Süßen zu beginnen. In Zeiten riesiger Süßwarenregale in den Massenmärkten ist die einstige Faszination solcher Geschäfte für Kinder schon fast unverständlich geworden. Es ist Nostalgie und Erinnerung, daß Kinder in Zeiten von Süßwarenmangel und entsprechnend hohen Preisen sehnsüchtige Blicke in die noch nicht so reichlich bestückten Auslagen der „Bonbon-Geschäfte“ warfen.

Und doch - nimmt man sich Zeit, solche Geschäfte außerhalb der Schulzeiten zu beobachten, so wird man feststellen, daß die jungen, kleinen Menschen das gute, alte Bonbongeschäft nach wie vor schätzen. Mit unverdorbenen Instinkt erkennen sie, daß sie hier manches bekommen, was anderswo dank negativ ausgefallener Kalkulation fehlt. Die Großpackungen der Verbrauchermärkte können hier bei gleichen Kosten in die geschmackliche Vielfalt mehrerer Zuckerlsorten umgesetzt werden.

Ein Lieblingszuckerl zu haben, heißt ja noch lang nicht, andere süße Leckereien links liegen zu lassen. Dazu sind unsere Kleinen viel zu clever, als daß sie sich was entgehen lassen würden !


Wiener Zuckerln #1 - Bonbon´s Breithuber Neubaugasse 18, 1070 Wien

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Wie kommt ein ”Zuckerl-Klassiker” zustande ? Nun, man nehme : Ein Haus der Jahrhundertwende, ein reichlichst sortiertes Süßwarengeschäft, seit Errichtung besagten Hauses darin beheimatet und seit Jahrzehnten im Besitz ein- und derselben Familie. Garniert mit einer guten Lage in einer belebten, aber nicht hektisch überrannten Einkaufstraße in unmittelbarer Nähe zur Mariahilfer Straße.

Aus diesen Zutaten kann nur eines der traditionellsten Bonbonsgeschäfte von ”tout Vienne” zustandekommen. Genauso ist es auch. Zweifellos eine der heimlich-süßen Attraktionen der Neubaugasse, der Straße der Spezialisten, mag es äußerlich ja nicht unbedingt pompös erscheinen, aber gewiß mit Stil für seine Sparte. Wer das Lokal betritt, merkt sehr rasch an seinem eigenen hin- und herschweifenden Blick, daß er ein äußerst umfangreiches Sortiment vor sich hat. Die netten Süßigkeiten der besser sortierten Supermärkte erscheinen hier etwa so wie der nun halt einmal vorgeschriebene Pflichtteil einer Eislauf-Darbietung.

Interessant ist aber da wie dort der Kür-Teil, hier wird dieser von den InhaberInnen aus jahrzehntelanger Erfahrung geschickt arrangiert und manche dieser Köstlichkeiten könnten durchaus das Zeug zu einer ”süßen Einstiegsdroge” haben. Dieser Verdacht erscheint mitunter nicht unbegründet.


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Man beachte auf dem Bild den kleinen Erdenbürger, der hier mit seiner Mutter oder Tante wohl gerade erfolgreich handelseins geworden ist. Nun ja, so fängt’s im zarten Alter an. Aber nicht nur Kinder betreten das Geschäft – man sieht auch viele ältere MitbürgerInnen schon von weitem durchaus zielstrebig den Eingang ansteuern. Und bei vielen mutmaßlichen Großmütter- und Großväter-Kunden ist nicht immer klar, ob die erstandenen Köstlichkeiten wirklich zur Gänze für die Enkelkinder bestimmt sind ....

Nicht unwahrscheinlich, daß unser kleiner Kunde von heute auch später immer wieder kommt. Es ist auch nicht auszuschließen, daß einmal Enkelkinder von Ihr/Ihm sich über die Süßigkeiten aus der Neubaugasse freuen !

Ein süßer Tip als köstlicher Abschluß: hier bekommen sie das größte Sortiment an offenen kandierten Früchten ! Sofern sie diese nicht gerade hassen – unbedingt probieren !

Veröffentlicht wurde dieses Wiener Zuckerl von meinem Onkel Dr. Heinrich Tauscher am 29/09/2000.

Dieses Bonbongeschäft, in Wien Neubau, gibt es heute noch. Schaut mal vorbei bei Eurem nächsten Wienbesuch, es lohnt sich ganz besimmt.

Bis zum nächsten Teil der Wiener Zuckerln...

Euer Herbert


1 Beitrag zum Thema "Wiener Zuckerln"

Servus Herbert, echt interessant das es diese kleinen, feinen Läden von damals noch gibt. Auch ich kenne zumindest drei davon in Wien die ich hin und wieder sehr gerne besuche um mir die "Besondere süsse Belohnung" zu gönnen.Dabei ist es für mich immer wieder eine Freude irgendwie in meine Kindheit zurückzukehren, denn an der Einrichtung hat sich so glaube ich nicht wirklich was verändert.Zumindest kommt es mir so vor.

Der Geruch in diesen Geschäften,alte Kasterln deren Türen beim Öffnen noch genauso knarren wie vor Jahrzehnten,die gläsernen Vitrinen hinter denen sich diese Kalorienbomben lecker präsentieren genauso wie in meiner Kindheit.Nur die Dame hinter der Theke ist eine andere, nicht mehr die "Zuckerltante" wie sie früher genannt wurde, einen Laden gibt es aber unter dem selbigen Namen heute noch.

Es ist irgendwie unglaublich das es solche Läden geschafft haben,den Fortschritt zu trotzen, ihren Charme zu behalten und trotzdem überlebt konnten.Ich hoffe das sie es weiter schaffen und es sie noch viele Jahre gibt.

Schön das du das Erbe deines Onkels belüftest und uns daran teilhaben lässt! Bin gespannt welche Erinnerungen da noch auftauchen.

Viel Spass beim stöbern!
Christian

Christian Rebl, 2. Jänner 2021 12:53



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